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Dokumenten- und Kennzeichnungsflut nach europäischem Standard

Zielgruppen der erforderlichen Dokumente von Brandschutz­systemen

Kennzeichnungsaufkleber für das Abschottungssystem Pyrocomb Intube Typ CTS

Kabelabschottung Pyrocomb Intube nach EN 1366-3

Im Zuge der Einführung der Europäischen Bauproduktenverordnung (EU-BauPVO) gab es sehr viele Diskus­sionen über die CE-Kennzeichnung von Produkten, das Bereitstellen von Verwendbarkeitsnachweisen und die Pflichten aller beteiligten Wirtschaftsakteure. Dieser Beitrag befasst sich mit den erforderlichen Dokumenten, die gemäß neuer EU-„BauPVO“ erstellt werden müssen, und versucht klarzustellen, an wen diese gerichtet sind. Des Weiteren werden die Unterschiede zwischen der CE-Kennzeichnung und der Leistung eines Produkts oder Systems beschrieben.

Seit dem 1. Juli 2013 ist die Europäische Bauproduktenverordnung (EU-BauPVO, engl. CPR – Construction Products Regulation) Nr. 305/2011 europaweit in unmittelbar geltendes Baurecht der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union übergegangen. Sie löst die bis dahin gültige Bauproduktenrichtlinie (BPR, engl. CPD – Construction Products Directive) ab. Mit diesem Schritt soll eine weitere Angleichung des euro­päischen Binnenmarktes erfolgen, mit welchem Bauprodukte nach geltenden Standards in ganz Europa vertrieben und eingebaut werden dürfen. Diese Regelungen betreffen natürlich auch Brandschutzprodukte und -systeme.

CE-Kennzeichnung für Brandschutzsysteme
Bevor man sich dem Dschungel der CE-Kennzeichnungen und den erforderlichen Dokumenten für Brandschutzsysteme nähert, muss man nach BPR oder EU-„BauPVO“ grundsätzlich klären, wann eine CE-Kennzeichnung überhaupt erforderlich ist. Hersteller werden immer wieder nach Konformitätszertifikaten gefragt, ob­wohl es für gewisse Brandschutzprodukte keine europäischen Kennzeichnungspflichten gibt. Es herrscht also eine große Unsicherheit seit der Einführung der neuen EU-Bauproduktenverordnung. Am Beispiel von Abschottungssystemen soll hier für mehr Klarheit gesorgt werden.
Nur wenn ein Produkt die nachfolgend beschriebenen drei Bedingungen erfüllt, muss es mit einer CE-Kennzeichnung versehen werden: Eine Voraussetzung nach EU-„BauPVO“ ist, dass ein Produkt ein dauerhafter Teil der Baukonstruktion ist. Das ist bei Brandschutzprodukten grundsätzlich immer der Fall, da sie fest ins Gebäude integriert werden.
Eine weitere Voraussetzung ist, dass das Produkt in den folgenden Bereichen Einfluss auf die Leistung der Baukonstruktion nimmt:

  • Standsicherheit und mechanische Festigkeit,
  • Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz,
  • Sicherheit und Barrierefreiheit zur Nutzung,
  • Energieeinsparung und Wärmeschutz,
  • nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen,
  • Schallschutz sowie
  • Brandschutz.

    Da ein Brandschutzprodukt mindestens den Brandschutz des Gebäudes beeinflusst, wird diese Voraussetzung immer erfüllt.
    Die letzte Voraussetzung ist, dass das Brandschutzprodukt bei seiner Anwendung unter eine harmonisierte euro­pä­ische Norm oder eine europä­ische technische Bewertung fällt. Ist dies nicht der Fall, darf das Produkt nicht mit einer CE-Kennzeichnung versehen werden.
    Brandschutz-Abschottungen werden nach DIN EN 1366-3 [1] geprüft und zum Beispiel vom Deutschen Institut für Bautechnik in Berlin mit einer Europäischen Technischen Bewertung ETB (engl. ETA) zugelassen. Daher müssen Abschottungen mit den CE-Zeichen und allen erforderlichen Daten gemäß EU-„BauPVO“ gekennzeichnet werden.
    Kurz gesagt: Europäisch geprüfte und zugelassene Brandschutzprodukte unterliegen immer der CE-Kennzeichnungspflicht und nur diese haben eine EG-Konformitätserklärung. Nach nationalen Normen geprüfte und zugelassene Syste­me, zum Beispiel nach DIN 4102-9 [2], dürfen das CE-Zeichen nicht tragen und haben natürlich auch keine EG-Konformitätserklärung.


Unterschiedliche Dokumente für verschiedene Zielgruppen
Die Angaben auf den Produktetiketten enthalten viele Bezüge zu Normen und Richtlinien, die sich dem Betrachter nicht unbedingt sofort erschließen. Die wichtigsten Angaben sind die Nummer des Verwendbarkeitsnachweises (ETA…) die Nummer der Leistungserklärung (DOP…) und die Nutzungskategorie (Use category…). Aufgrund des Umfangs und der vielen Möglichkeiten wird in Bezug auf das Verhalten im Brandfall und die Feuerwiderstandsdauer auf die Angaben in der Europäischen Technischen Bewertung (ETA…) verwiesen.
Die ETA stellt das wichtigste Dokument dar: Sie ist die Erlaubnis, dass das Brandschutzprodukt in einem Gebäude verwendet werden darf. In diesem Dokument sind alle technischen Daten des Produkts und die zugelassenen Einbausituationen hinterlegt. Des Weiteren enthält es Hinweise zur Planung und Ausführung. Auch die Nutzungskategorie wird in der ETA angegeben: Die Kurzzeichen X, Y und Z stehen hier für die Verwendung des Produkts im Freien (X), in feuchter Umgebung (Y) und in trockenen Innenbereichen (Z).
Die ETA wurde aufgrund von Prüfungen nach DIN EN 1366-3 [1], Klassifizierungen nach DIN EN 13501-1/-2/-3 [3] und der Richtlinie ETAG 026-2 erteilt. Diese Richtlinie wird in Zukunft durch ein neues Europäisches Bewertungsdokument (EAD – European Assessment Document) ersetzt. Auf dieser Basis erteilen die europäischen Zulassungsstellen (Notified bodies), zu denen auch das Deutsche Institut für Bautechnik in Berlin gehört, zukünftig die neuen ETA.
Die Leistungserklärungen (DOP – Declaration of performance) fassen auf einen Blick zusammen, welche Hauptmerkmale das Brandschutzprodukt/-system erfüllt. Das EG-Konformitätszertifikat (DOC – Declaration of conformity) bestätigt, dass die Eigenschaften der Bauprodukte von unabhängigen Instituten überwacht und die werkseigenen Produktionskontrollen wirksam sind.
Prüfberichte und Klassifizierungsberichte der Materialprüfanstalten und die europäische Richtlinie zur Erteilung von Europäischen Technischen Bewertungen sind keine offiziellen Dokumente. Sie nützen dem Verarbeiter oder dem Planer auch nicht. Zur Planung und Auswahl eines für den Anwendungsfall geeigneten Brandschutzsystems müssen die ETA, die Leistungserklärung und die Montageanleitung der Systeme genutzt werden.
An dieser Stelle muss deutlich gemacht werden, dass die CE-Kennzeichnung und das EG-Konformitätszertifikat niemals Auskunft über die Eigenschaften und die Montage­parameter der Bauprodukte, in diesem Fall Brandschutzsysteme, geben können. Diese Zeichen und Zertifikate bestätigen nur, dass alle europäischen Richtlinien und Vorschriften zur Inverkehrbringung auf dem europäischen Markt und für die Anwendung eingehalten wurden.
Die Kennzeichnung der Bauprodukte dient dem Zweck der Identifikation und dem Abgleich mit den benötigten Dokumenten für die Bauakte.

Fazit
Nur nach europäischen Normen hergestellte oder geprüfte Systeme unterliegen den Kennzeichnungspflichten nach EU-„BauPVO“ Nr. 305/2011. Die Hersteller sind für die Bereitstellung der erforderlichen Dokumente, der Montage­anlei­tung und der Kennzeichnung der Produkte verantwortlich. Die Verwendbarkeitsnachweise von sowohl national nach DIN geprüften und zugelassenen Systemen mit allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen als auch Systeme mit Europäischen Technischen Zulassungen nach alter Bauproduktenrichtlinie verlieren nicht ihre Gültigkeit und können im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor als Bauprodukt eingesetzt werden.

Literatur
[1] DIN EN 1366-3:2007-07 Feuerwiderstandsprüfungen für Installationen – Teil 3: Abschottungen. Berlin: Beuth
[2] DIN 4102-9:1990-05 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen; Kabelabschottungen; Begriffe, Anforderungen und Prüfungen. Berlin: Beuth
[3] DIN EN 13501-1/-2/-3 Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten. Berlin: Beuth

www.obo.de

Autor:

Dipl.-Ing. (FH) Stefan Ring ist als Produktmanager für Brandschutzsysteme bei der Obo Bettermann GmbH & Co. KG in Menden tätig.

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