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Fünf Fragen …

Holger Heckler: Auch Einzelpersonen müssen gegen die Auswirkungen von Überspannungen geschützt werden

Holger Heckler: Auch Einzelpersonen müssen gegen die Auswirkungen von Überspannungen geschützt werden

an Dipl.-Ing. Holger Heckler, Produktmanager für Überspannungsschutzgeräte bei Phoenix Contact, zum Thema „Installation von Überspannungsschutzgeräten nach aktuellen Normenanforderungen“.

Herr Heckler, im Jahr 2016 haben sich die Errichtungsnormen für Überspannungsschutzgeräte geändert. Ab wann müssen diese Normen verpflichtend angewandt werden?
H. Heckler: In den Normen DIN VDE 0100-443 und DIN VDE 0100-534 geht es um den Schutz vor transienten Überspannungen sowie um die Auswahl und Errichtung von Überspannungsschutzgeräten – sogenannten SPD (Surge Protective Devices). Alle elektrischen Anlagen, die ab dem 14. Dezember 2018 neu errichtet, erweitert oder geändert werden, müssen den neuen normativen Anforderungen entsprechen.
In welchen Anlagen müssen zukünftig SPD eingebaut werden?
H. Heckler: Der Einbau von SPD ist auch bisher schon für viele Anlagen verpflichtend, zum Beispiel wenn ein äußeres Blitzschutzsystem vorhanden ist oder bei Anlagen mit sogenanntem erhöhtem Sicherheitsbedürfnis. Anlagen mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis in diesem Sinne sind solche Anlagen, bei denen Überspannungen auch Auswirkungen auf Menschenleben, auf öffentliche Einrichtungen und Kulturbesitz, auf Gewerbe- und Industrieaktivitäten, auf Ansammlungen von Menschen oder auf Einzelpersonen haben können – gemäß DIN VDE 0100-443.
Neu ist: Auch Einzelpersonen müssen gegen die Auswirkungen von Überspannungen geschützt werden – etwa in Wohngebäuden und kleinen Büros, wenn in diesen Gebäuden Betriebsmittel der Überspannungskategorie I oder II errichtet wurden.
Ist der Einbau von SPD in allen elektrischen Anlagen zur Pflicht geworden?
H. Heckler: Ja. Der Einbau von SPD ist nun für nahezu alle elektrischen Anlagen zur Pflicht geworden. Es ist davon auszugehen, dass in Wohngebäuden und kleinen Büros grundsätzlich Betriebsmittel der Überspannungskategorien I oder II von der festen Installation gespeist werden. Der Einsatz von SPD ist damit auch für Wohngebäude und für kleine Büros verpflichtend.
Die Normen empfehlen: Feuergefährdete Betriebsstätten sowie Betriebsmittel, die an unterschiedliche Netze angeschlossen sind, sollten ebenfalls mit SPD geschützt werden. Hier sind Betriebsmittel gemeint, die zum Beispiel an Strom und Datennetze angeschlossen sind.
Was ist bei der Auswahl von SPD zu beachten?
H. Heckler: Am Speisepunkt einer elektrischen Anlage werden SPD wie folgt ausgewählt: Ist ein äußeres Blitzschutzsystem oder eine Freileitungseinspeisung vorhanden, dann ist ein Typ-1-SPD erforderlich. Bei unterirdischer Einspeisung, jedoch ohne äußeres Blitzschutzsystem, ist mindestens ein Typ-2-SPD erforderlich.
In DIN VDE 0100-534 und in DIN EN 62305-4 werden für Fünf-Leiter-Systeme – abhängig von der gew ählten Blitzschutzklasse – unterschiedliche Mindest-Ableitvermögen gefordert. Für Typ-1-SPD zwischen L und N ist ein Mindest-Ableitvermögen zwischen 12,5 kA und 25 kA (10/350 μs) erforderlich. Das mindestens erforderliche Gesamt-Ableitvermögen einer SPD-Kombination liegt zwischen 50 kA und 100 kA (10/350 μs).
Anlagen mit Freileitungseinspeisung, die über kein äußeres Blitzschutzsystem verfügen, werden mit Typ-1-SPD geschützt. Das Mindest-Ableitvermögen zwischen L und N beträgt 5 kA (10/350 μs). Das Gesamt-Ableitvermögen einer SPD-Kombination für Drei-Phasen-Systeme beträgt mindestens 20 kA (10/350 μs). Für den Schutz von Verteilstromkreisen und empfindlichen elektronischen Betriebsmitteln werden Typ-2- und Typ-3-SPD eingesetzt.
Gibt es besondere Anforderungen an SPD in Anlagen mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis?
H. Heckler: Für Anlagen mit erhöhtem Sicherheitsbedürfnis wird am Ursprung der Installation der Einsatz von SPD mit erhöhtem Nenn-Ableitstoßstrom gefordert. Der Gesamt-Nenn-Ableitstoßstrom einer SPD-Kombination muss mindestens 40 kA (8/20 μs) betragen. Das Typ-2-SPD von Phoenix Contact mit der Bezeichnung VAL-SEC-T2-3S-350/40-FM erfüllt diese erhöhten Anforderungen an den Nenn-Ableitstoßstrom.

www.phoenixcontact.de/ue-schutz